Der letzte Venustransit (VT) in diesem Jahrhundert konnte am Morgen vom 6. Juni 2012 bis um 06:55 Uhr MESZ beobachtet werden, wobei von Mitteleuropa aus nur die letzten bis zu 90 Minuten beobachtbar waren - falls man nicht unter einer dichten Wolkendecke stand.
Der nächste Merkurtransit kann von uns aus am 9. Mai 2016 gesehen werden.
'Live'-Simulation des Sonnenanblicks von CalSky.com, alle 2 Minuten aktualisiert.
(Tage : Stunden : Minuten : Sekunden)
SEHEN SIE NIE OHNE FINSTERNISBRILLE IN DIE SONNE. SIE KÖNNTEN
ERBLINDEN.
Zwei Planeten kreisen innerhalb der Erdbahn um die Sonne: Merkur
und Venus. Sie sind deshalb die einzigen Planeten, die zwischen uns und
der Sonne stehen können. Tritt dies ein, so ziehen sie im Laufe von
Stunden als schwarzer Punkt über die Sonnenscheibe - der Astronom spricht
von einem Transit. Diese Transite sind seltene Ereignisse. Bei Venus können
nur maximal 2 Transite pro Jahrhundert stattfinden.
Unter besten Bedingungen fand am 8. Juni 2004 ein Venustransit statt. Tausende
von Personen haben das Ereignis durch geschützte Teleskope von Sternwarten aus,
oder durch Sonnenfinsternisbrillen bestaunt. Am 6. Juni 2012 waren die Verhältnisse bei weitem nicht so gut.
Im Deutschen Sprachraum konnte praktisch nur von östlich der Linie Berlin-Wien die Sonne knapp über dem Nordosthorizont beobachtet werden,
die restlichen Gebiete lagen unter einer nahezu geschlossenen Wolkendecke.
Wer versucht hat den 2012er-Transit zu beobachten, wird nie mehr einen weiteren Venustransit sehen können.
Thierry Legault, Queensland (Australien): Doppelter Transit 2012: Venus und Weltraumteleskop Hubble vor der Sonne
Doppelter Transit 2012: Venus und Weltraumteleskop Hubble vor der Sonne
Der französische Amateurastronom Thierry Legault reist extra an einen von CalSky.com berechneten Ort in Queensland (Australien) um nicht nur die Venus vor der Sonne beobachten zu können, sondern gleichzeitig auch das Hubble Space Telescope (HST) vor der Sonne abzubilden. HST war 750km entfernt und rund 4 Bogensekunden gross. Thierry verwendete ein Takahashi FSQ-106ED Refraktor und eine Nikon D4 Kamera. Bei einer Belichtungszeit von 1/8000s und einer Bildwiederholrate von 10 pro Sekunde zeigte sich das Weltraumteleskop auf 9 Bildern - in Entsprechung der berechneten Transitdauer von 0.9 Sekunden. Gemäss Thierry herrschte eine zeitweise eine grosse Luftturbulenz. Achtung: keine Weiterverwendung dieses Bildes erlaubt!
Bildausschnitt mit der Venus und dem Mosaik mit den verschiedenen Positionen des HST. Achtung: keine Weiterverwendung dieses Bildes erlaubt!
Aufnahmestandort im australischen Outback unter dem anti-umbralen Schatten des Weltraumteleskops Hubble - wenn auch nur für weniger als eine Sekunde.
Raffaello Lena, Rom
Tino Desjardins, Berlin
Jens-Uwe Köhler, Ostbrandenburg
Dirk Irrgang, Dresden
Von Dresden aus herrschte eine "fantastische Sicht auf die Sonne und eine prächtiger Venus-Transit".
Die Fotos entstanden an einem Celestron Newton 203/1000 auf der Sternwarte in Sohland/Spree.
Als Kamera stand eine Canon EOS 300D im Einsatz.
Peter Sinabell, 40km südlich von Wien
Auch südlich von Wien zogen ganz zarte Wolken durch.
Aufnahmen mit Canon EOS450 D, durchs MEADE ETX LS geschützt durch Baader Solarfolie.
Bruno Breitfeld, Panketal bei Berlin
Oliver Czernetz, Graz
Bereits mit der Kamera des Handy konnten diesmal Fotos gemacht werden.
Andreas Kemnitz, Gera
foto@graser1.de, Deutschland
Aufnahme des Venustransits 2012 trotz stärkerer Bewölkung durch einen kleinen, freien Spalt direkt nach Sonnenaufgang um 5:14 Uhr ohne Sonnenfilterfolie.
Walter Krein, Sunnenbüehl (zwischen Wülflingen und Brütten), Schweiz
Alles bereit für das erste Bild vom Sunnenbüehl. Ein wenig gefährlich leben wir Amateurastronomen schon...
Immer wieder stören Wolken den Blick auf die Sonne und das "ausgestanzte Loch" der Venus.
Der durch die Cirren verursachte Halo wird jetzt etwas weniger, nun werden auch Sonnenflecken sichtbar.
Partielle Phase, am Sonnenrand ist gerade noch die halbe Venus zu entdecken.
Fotos von Daniel Reymann, Albispass, Schweiz
Fotos von Arnold Barmettler, Albispass, Schweiz
Am Beobachtungsplatz bei Zürich regnete es unmittelbar vor und nach dem Venustransit. Eine kurze Wolkenlücke von vielleicht 3 Minuten Dauer war alles, was von diesem Schauspiel mitzubekommen war. Foto von 06:25:49 Uhr MESZ von Arnold Barmettler.
Fotos von Thomas Baer aus Utah Valley, USA
Eintritt der Venus am oberen Sonnenrand. Soeben ist um 16:23 Uhr Lokalzeit der 2. Kontakt erfolgt. Foto Thomas Baer.
Maximum des Transits um 19:25 Uhr Lokalzeit. Foto: Thomas Baer.
Kurz vor Sonnenuntergang zeigte sich die Bildunschärfe am Sonnenrand stark. Foto: Thomas Baer.
Sonnenuntergang: Venus versteckt sich hinter einer dünnen Wolkenbank. Foto: Thomas Baer.
Zeitplan des Venustransits 2012
Berlin: Ablauf des Venustransits am 6. Juni 2012
Kontakt
MESZ
Richtung
Sonnenhöhe
Sonnenazimut
Ereignis
Venusaufgang
04 Uhr 47
0½ Uhr
0°
49° (NE)
Venus tief vor Sonnenscheibe
3. Kontakt
06 Uhr 37
1 Uhr
14°
71° (ENE)
Venus beginnt Sonnenscheibe zu verlassen
4. Kontakt
06 Uhr 55
1 Uhr
16°
73° (ENE)
Venustransit ist zu Ende
Beobachtungsort Berlin, für andere Orte im deutschen Sprachraum ist mit nicht mehr als zwei Minuten Abweichung zu rechnen (abgesehen vom Sonnen-, bzw. Venusaufgang).
Richtung: Man denkt sich ein Ziffernblatt über die Sonne
gelegt. Die "Uhrzeit" gibt an, in welcher Richtung man die
Venus auf der Sonne suchen muss - relativ zum lokalen Horizont.
Sonnenazimuth: NE - Nordosten, ENE - Ostnordosten.
Berechnen Sie bei CalSky die genauen Umstände für jeden beliebigen Ort!
Zürich: Ablauf des Venustransits am 6. Juni 2012
Kontakt
MESZ
Richtung
Sonnenhöhe
Sonnenazimut
Ereignis
Venusaufgang
05 Uhr 31
1 Uhr
0°
54° (NE)
Venus tief vor Sonnenscheibe
3. Kontakt
06 Uhr 38
1 Uhr
9°
66° (ENE)
Venus beginnt Sonnenscheibe zu verlassen
4. Kontakt
06 Uhr 55
1 Uhr
12°
69° (ENE)
Venustransit ist zu Ende
Beobachtungsort Zürich, für andere Orte im deutschen Sprachraum ist mit nicht mehr als zwei Minuten Abweichung zu rechnen (abgesehen vom Sonnen-, bzw. Venusaufgang).
Was ist ein Venustransit?
Der Planet Venus kreist innerhalb der Erdbahn. Dabei steht sie im Mittel
alle 584 Tage zwischen Erde und Sonne (untere Konjunktion). Doch genau
so, wie es nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis gibt, steht die
Venus nicht bei jeder unteren Konjunktion genug genau zwischen uns und
der Sonne, dass wir uns in ihrem Schatten aufhalten würden. Nur wenn
Venus bei einer unteren Konjunktion nicht viel mehr als ein Tag früher
oder später auch die Ebene der Erdbahn durchstösst, also durch
einen ihrer beiden Bahnknoten läuft, trifft der Venusschatten auf die
Erde.
Man darf sich nun aber nicht vorstellen, dass es auf der Erde dunkel wird.
Die Venus ist zum Zeitpunkt eines Transits mehr als 43 Millionen Kilometer von uns entfernt. Sie
kann deshalb nur 1 Promille der Sonnenscheibe abdecken. Entsprechend fehlt
auch nur ein Promille der üblichen
Helligkeit; viel zu wenig um bemerkt zu werden. Mit einer Finsternisbrille
kann man allerdings möglicherweise die Venus gerade noch als schwarzen Punkt
vor der Sonne erkennen - falls der Kontrast gross genug ist.