Der Venustransit von Europa aus beobachtet
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Sonne im roten Wasserstofflicht H-alpha. Dies erlaubte es uns, den Beginn des Transit eine knappe Minute früher zu sehen und das Ende um eine knappe Minute hinauszuzögern. Foto R. Brodbeck und M. Pesendorfer.
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Nur zwei Gelegenheiten wird es im 21. Jahrundert geben, die Venus als schwarzen Fleck vor der Sonnenscheibe zu sehen. Der erste dieser beiden Transits fand am 8. Juni 2004 bei vielerorts ausgezeichneten Sichtverhältnissen statt. Dieser Transit war der einzige im 21. Jahrhundert, der in seiner vollen Länge von Europa aus beobachtbar war. Der zweite Transit am 6. Juni 2012 wird in Europa nur in seiner Endphase eine gute Stunde lang nach Sonnenaufgang beobachtbar sein.
Um 07:20 MESZ war gewissermassen der offizielle Beginn des Transits. Dann
berührte das in unterer Konjunktion unsichtbare Venusscheibchen
den Sonnenrand von aussen. Analog zur Sonnenfinsternis spricht man vom
ersten Kontakt. Spätestens nach einer halben Minute war für
Fernrohrbesitzer (die Ihr Objektiv mit für die Sonnenbeobachtung zugelassenen
Filter geschützt haben) eine kleine Einbuchtung an der Sonnenscheibe zu sehen.
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Kurz nach dem 1. Kontakt wird die schwarze Venus bereits deutlich sichtbar. Foto R. Brodbeck und M. Pesendorfer.
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Besonders gut ausgerüstete Amateurastronomen konnten mit einem
Protuberanzenfilter (H-Alpha) schon etwas früher den ersten Kontakt
sehen. In diesem speziellen Licht, dass diese Filter ausschliesslich passieren
lassen, sieht der Beobachter eine leicht grössere Sonne. Entsprechend
früher beginnt der Transit (max. 1 Minute früher).
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Simulationen von A. Barmettler, CalSKY.com.
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Animation des Venustransits vom 8. Juni 2004 für Zürich, dargestellt
in Horizont-Koordinaten. So erscheint die Sonne durch eine Sonnenfinsternisbrille.
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Animation des Venustransits vom 8. Juni 2004 für Zürich, dargestellt
in Aquatorial-Koordinaten. So erscheint die Sonne durch ein parallaktisch montiertes Teleskop: Norden ist oben.
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Kurz nach dem 2. Kontakt. Foto R. Brodbeck und M. Pesendorfer.
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Die meisten werden jedoch im normalen weissen Licht der Sonne beobachten.
Die Venus benötigte 20 Minuten um sich vollständig vor die
Sonne zu schieben. Berührt sie die Sonnenscheibe von innen, spricht
man vom 2. Kontakt. Für Berlin trat dies um 07:39:22 MESZ ein. Man kann
zu diesem Zeitpunkt den Instrumenten-phsikalisch bedingten Effekt des Tropfens feststellen.
Die Venus scheint noch für eine gewisse Zeit wie am Sonnenrand zu
kleben. Wenn sie sich danach wie ein Tropfen löst, ist der 2. Kontakt
schon etliche Sekunden vorbei. Dies erschwerte in früherer Zeit die
genaue Bestimmung des Zeitpunktes des 2. Kontakts.
Im Laufe des Morgens überquerte die Venus nun die Sonnenscheibe.
Besonders reizvoll wäre es gewesen, wenn die Venus dabei in die Nähe
eines Sonnenflecks gekommen wäre, jedoch blieb die Sonne am Transittag bis auf eine winzige Sonnenfleckengruppe blank.
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Venus vor der Sonne. Rechts oben sind zwei sehr kleine Sonnenflecken zu erkennen. Foto R. Brodbeck und M. Pesendorfer.
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Tropfeneffekt vor dem 2. Kontakt. Die Weisslichtaufnahmen in diesem Artikel wurden mit einem Mead LX200 8" gemacht. Als Kamera wurde eine Coolpix990 in Okularprojektion verwendet. Als Sonnenfilter diente uns Baader-Sonnenfilterfolie, die als Objektivfilter über die ganze Oeffnung gespannt wurde. Die H-Alpha aufnahmen wurden ebenfalls in Okularprojektion mit einem Coronado 40 -Teleskop gemacht. Dieses wurde Huckepack auf das MeadeLX200 montiert. Foto von R. Brodbeck und M. Pesendorfer.
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Die Venus bleibt weit südlich der Sonnenmitte, da sie schon vor
Beginn des Transits den absteigenden Knoten passiert hat. Von Mitteleuropa
aus ist sie also unterhalb der Sonnenmitte zu finden. Der Transit wird
sich bis in die Mittagspause hinziehen. Erst um 13:03:29 MESZ findet für
Berlin der dritte Kontakt statt. Die Venusscheibe berührt die Sonnenscheibe
von innen. Der Tropfeneffekt wird in der Minute zuvor zu beobachten sein.
Das historische Ereignis endet für die allermeisten mit dem 4.
Kontakt. Wiederum können Beobachter im Licht von H-Alpha das Ende noch ein klein
wenig hinauszögern.
Zweite und letzte Chance 2012
Im 21. Jahrhundert befindet sich die Venus nur am 8. Juni 2004 und am
6. Juni 2012 vor der Sonnenscheibe. Die zweite Chance am Mittwoch, 6. Juni
2012, ist weniger günstig für Mitteleuropa. Der Transit beginnt
um Mitternacht (Sommerzeit). Zum Glück dauern Transits viele Stunden,
so dass zu Sonnenaufgang sich Venus noch immer vor der Sonnenscheibe befinden wird.
Der Transit wird gegen 7 Uhr enden.
Bevorzugte Beobachtungsgebiete werden Ostasien und Australien und der
Pazifik sein. In Europa wird man nur im hohen Norden mit Mitternachtssonne
den Transit in seiner vollen Länge beobachten können.
Erst am 11. Dezember 2117 wird die Venus wieder vor der Sonne zu sehen
sein, leider für Europa während der Nacht. Somit dauert es für
Europa sogar bis zum 8. Dezember 2125 bis sich die Venus wieder als schwarzer
Fleck vor der Sonne zeigt. Allerdings wird dann die Sonne in Europa
untergehen, bevor der Transit zuende ist.
Somit war der Transit von 2004 für den deutschen Sprachraum sogar
ungewöhnlich günstig. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt,
dass auch von den beiden Transits des 19. Jahrhunders vom 9. Dezember 1874 und 6. Dezember 1882
in unserer Gegend vom ersten gar nichts und vom letzten knapp 2 Stunden zu
sehen waren. Im 20. Jahrhundert gab es keinen Venustransit.