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Mittwoch, 07. Mai 2003, Merkur vor der Sonne

Unsere Teleskope am Beobachtungsplatz 
Am Beobachtungsplatz. Vordergrund MeadeLX200, Hintergrund Meade ETX125.

Am Morgen 7. Mai stand Merkur als schwarzer runder Fleck vor der Sonne. Für viele jüngere Amateurastronomen die erste Gelegenheit einen solchen Transit zu beobachten. Neben dem Astronomieerlebnis verfolgten Marc Pesendorfer und ich auch das Ziel, für Berechnungen gut dokumentierte Aufnahmen zu machen.

Der Transit (Vorübergang) des Merkurs vor der Sonne vom 7. Mai 2003 war für Marc Pesendorfer und mich die erste Gelegenheit in unsrem Leben den innersten Planeten des Sonnensystems vor der Sonnenscheibe zu sehen. Entsprechend intensiv verfolgten wir die Wetterberichte uns studierten die Wetterkarten. Lange Zeit war die Situation sehr unsicher und die Bewölkungsmodelle für Europa zeigten jeden Tag eine andere Prognose für den Transittag.

 Ein Tropfenefekt beim 2. Kontakt
 Tropfeneffekt beim 2. Kontakt.
 Wolken kurz nach dem 2. Kontakt
 Wolken kurz nach dem 2. Kontakt. Der weisse Pfeil zeigt auf Merkur.

Auf Empfehlung des Institus für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich  entschieden wir uns am Vortag für eine Reise ins Allgäu. Die Prognosen seien etwas stabiler als für unser Zuhause, die Deutschschweiz. Am späteren Nachmittag erreichten wir Memmingen, wo wir uns in einem Internetkaffee nochmals vergewisserten, dass die Wettermodelle für den folgenden Morgen klaren Himmel vorhersagten. Südlich von Ottobeuren fanden wir auf einem Hügelzug einen Beobachtungsplatz, der freie Sicht Richtung Sonnenaufgang bot. Der Transit würde schon kurz nach 7 Uhr beginnen, bei noch recht tiefen Sonnenstand.

Am Transitmorgen fanden wir uns bereits kurz nach 6 Uhr am Beobachtungsplatz ein. Zur Beobachtung und zum Fotografieren des Transits verwendeten wir zwei Teleskope. Das kleinere Teleskop, ein Meade ETX125 (Maksutov - Cassegrain Spiegelteleskop mit 125 mm Öffnung) diente uns zur visuellen Beobachtung des Transits. Am grösseren  Teleskop, einem Meade LX200 (Schmidt - Cassegrain Spiegelteleskop mit 200 mm Öffnung) fotografierten wir den Transit mit einer Coolpix 990 in Okularprojektion. Beide Teleskope waren mit einem Objektivsonnenfilter aus speziell für die Sonnenbeobachtung hergestellter Folie ausgestattet.

Der erste Kontakt (Merkurscheibchen berührt die Sonnenscheibe von aussen) war leider hinter ein paar Wolkenfetzen verborgen, doch schon wenige Minuten später konnten wir den bereits teilweise vor der Sonne stehenden Merkur sehen.  Die lange Vorbereitung hatte sich gelohnt.

Den Beginn des Transits bis zum zweiten Kontakt fotografierten wir mit einem Zeitabstand von 30 Sekunden.  Jeweils zu vollen und halben Minute. Zeitgeber war ein GPS - Empfänger (Global Positioning System, Navigation mit Satelliten).

Der berühmte Tropfeneffekt beim zweiten Kontakt konnte ich visuell durch das ETX nicht bemerken, auf den Fotos tritt er hingegen deutlich hervor.

Der Himmel blieb nun wolkenlos, während Merkur über die Sonnenscheibe zog. Als besondere Schwierigkeit erwies sich, dass sich die Helligkeit der Sonne mit zunehmender Horizonthöhe änderte. Je steiler die Sonnenstrahlen einfielen, desto weniger werden sie von der Atmosphäre gedämpft. Eine Anpassung der Belichtungszeit ist deshalb während  des Transits unumgänglich um überbelichtete Aufnahmen zu vermeiden.

Merkur (rechts) und ein Sonnenfleck (links) 
Merkur rechts, ein grosser Sonnenfleck in der linken oberen Bildecke und ein kleiner Sonnenfleck rechts oben im Bild.

Mit der Zeit kam Wind an unserem Beobachtungsplatz auf, was die Verfolgung des Transits im ETX zunehmend schwerer machte. Das massivere LX200 erwies sich als weniger empfindlich gegenüber Wind. So konnten wir nach Mittag auch den zweiten und dritten Kontakt fotografierten. Diesmal mit einem zeitlichen Abstand zwischen zwei Aufnahmen von 15 Sekunden.

Mit dem 4. Kontakt endete unser erster Merkurtransit. Ein sehr gut dokumentierter Satz von Bildern wartet nun auf die Auswertung. Für das Projekt Venus2004 werden wir mit diesen Aufnahmen versuchen, den zeitlichen Verlauf des scheinbaren Winkelabstandes Sonnenmitte - Merkurmitte zu bestimmen (siehe dazu meinen Artikel) sowie die Kontaktzeiten zu interpolieren. Bei dem Venustransit  des Jahres 2004 werden wir versuchen, aus einer vergleichbaren Serie von Aufnahmen den Abstand Erde-Sonne zu bestimmen. Dies ist von der Theorie her auch bei einem Merkurtransit möglich, jedoch ungleich schwieriger in der Praxis durchzuführen. Ob es unsere Fotoserie des Merkurtransits es erlaubt, daraus den Abstand Sonne Erde abzuschätzen, werden die Auswertungen der kommenden Monate zeigen.

 Der 3. Kontakt
 Der 3. Kontakt.

Insgesamt erlebten wir ein sehr schöne und erfolgreiche Astronomieexpedition, die nun in der Auswertungsphase am Computer ihren Fortsetzung findet. Wir werden den Transit in guter Erinnerung behalten und freuen uns auf den Transit der Venus im Jahre 2004.

Weiterführende Links

Alle Bilder © Roland Brodbeck und Marc Pesendorfer. Keine Verwendung jeglicher Art ohne schrifliche Genehmigung. Anfragen richten Sie bitte an info@astronomie.info.


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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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