Video und totale Sonnenfinsternis
Die Videotechnik hat sich in den letzten Jahren auch im Amateurbereich
sehr positiv entwickelt. Neuere Kameras weisen höhere Empfindlichkeiten
auf und die Röhren sind durch CCD (charged coupled device) oder MOS
(metal oxide semiconductor) Elemente ersetzt worden, die hohe Lichtintensitäten,
wie sie bei Sonnenfinsternissen zu gewärtigen sind, tolerieren. Hi-8
und VHS-S ergeben gute Resultate und sind den gewöhnlichen 8-mm-Systemen
vorzuziehen.
Die meisten Camcorders sind mit Zoomobjektiven mit 6x bis 8x Bereichen
ausgestattet einige sogar mit solchen bis zu Faktor 22. Um die Abbildungsgrösse
der Sonne bestimmen zu können, müssen Brennweite und die Grösse
des CCD- oder MOS-Detektors bekannt sein. Die diagonale Ausdehnung der
meisten Detektoren betragen 1/2 Zoll oder 2/3 Zoll (siehe technische Daten
in der Bedienungsanleitung der Kamera). Die ungefähre Grösse
der Sonne auf dem gewohnten Fernsehbildschirm zu Hause erhält man,
indem man die Objektivbrennweite in Millimeter mit der Höhe des Fernsehbildschirmes
(in mm) multipliziert und durch die Zahl 500 dividiert (bei 1/2 Zoll Detektoren).
Bei 2/3-Zoll-Detektoren ersetzt man den Divisor 500 durch den Divisor 600.
Beispiel: Wird mit einer Brennweite von 66 mm auf einen 1/2-Zoll Chip aufgenommen,
so erscheint die Sonne auf einem 21"-Bildschirm (Bildhöhe 300 mm)
ca. 40 mm gross. Verschiedene Objektiv-Hersteller bieten jedoch Telekonverter
an, mit denen die Abbildungsgrösse gesteigert werden kann, allerdings
bergen Faktoren grösser als 2x die Gefahr der Bildvignettierung. Ausserdem
ist bei sehr hohen Vergrösserungen auch für Videoaufnahmen eine
Nachführvorrichtung oder wenigstens eine handgetriebene Feinnachführung
erforderlich. Abolut unerlässlich ist aber wie bei der Fotografie
die Verwendung eines robusten Dreibeinstativs. Bildstabilisatoren (image
stabilizers) nützen bei hohen Brennweiten und besonders bei Verwendung
von Zweifachtelekonvertern nichts mehr. Für das Ein- und Ausschalten
sowie das Zoomen empfiehlt sich der Einsatz einer Fernbedienung, um Verwacklungen
zu vermeiden. Eine Videokamera vibriert schon beim leichten Anrühren
der Tasten. Am besten nonstop filmen und später bei der Montage allfällige
Vibrationen herausschneiden. Autofokus-Einrichtungen müssen unbedingt
abgeschaltet und die Entfernung manuell auf Unendlichkeit eingestellt werden.
Mit Telekonverter hingegen kann es ratsam sein, den Autofokus eingeschaltet
zu lassen, da diese in der Unendlichkeitseinstellung leicht unscharfe Bilder
hervorrufen kann (am besten im voraus testen).
Der Reiz von Videoaufnahmen liegt vor allem in den sich rasch folgenden
Phänomenen beim Eintritt der Totalität, d. h. des Perlschnur-
und des Diamantringeffektes, deren direkte Beobachtung von blossem Auge
auch nicht ganz unbedenklich ist. Besonders herausragend aber sind Aufnahmen
des sich nähernden Kernschattens, die man am besten mit extremen Weitwinkelobjektiven
macht. Ein weiterer Vorzug von Video- gegenüber fotografischen Aufnahmen
ist die Tonaufnahme, mit denen die spontanen Ausrufe der umstehenden Leute
eingefangen werden können. Tonaufnahmen erlauben auch den eigenen
Kommentar, Zeitangaben und Kameraeinstellungen, Beschreibungen und die
eigenen Eindrücke aufzuzeichnen.
Wenn es die Kamera erlaubt, sollte die Belichtungsautomatik unbedingt
abgeschaltet werden. Um die partiellen Phasen aufzunehmen, sind Filter
wie unter dem Kapitel Fotografie beschrieben erforderlich (Mylarfolie oder
chrombeschichtete Glasfilter). Auch hier gilt, dass die Belichtung der
Partialität lange im voraus mit dem verwendeten Filter getestet werden
kann. Einige Sekunden vor Eintritt der Totalität muss das Filter entfernt
werden (Vorsicht, nicht durch die Optik blicken -
Bildausschnitt noch mit Filter nachjustieren!). Damit können die
Perlschnur- und Diamantringeffekte eingefangen werden. Selbst für
die Totalität gibt es einen verlässlichen Anhaltspunkt für
die Belichtung, die sich im voraus bestimmen lässt. Da der Vollmond
punkto Helligkeit mit der Sonnenkorona während der Totalität
verglichen werden kann und etwa die gleiche Grösse wie die Sonne aufweist,
bietet er die Möglichkeit, die Abbildungsgrösse und die Belichtungseinstellungen
des Camcorders zu ermitteln. Die beste Belichtungszeit liegt um 1/15 Sek.,
welche die horizontalen Balken vermeidet, die bei kürzeren Zeiten
sichtbar werden.