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Video und totale Sonnenfinsternis

Walter Bersinger (VSRR) und Olivier Staiger

Die Videotechnik hat sich in den letzten Jahren auch im Amateurbereich sehr positiv entwickelt. Neuere Kameras weisen höhere Empfindlichkeiten auf und die Röhren sind durch CCD (charged coupled device) oder MOS (metal oxide semiconductor) Elemente ersetzt worden, die hohe Lichtintensitäten, wie sie bei Sonnenfinsternissen zu gewärtigen sind, tolerieren. Hi-8 und VHS-S ergeben gute Resultate und sind den gewöhnlichen 8-mm-Systemen vorzuziehen.

Die meisten Camcorders sind mit Zoomobjektiven mit 6x bis 8x Bereichen ausgestattet einige sogar mit solchen bis zu Faktor 22. Um die Abbildungsgrösse der Sonne bestimmen zu können, müssen Brennweite und die Grösse des CCD- oder MOS-Detektors bekannt sein. Die diagonale Ausdehnung der meisten Detektoren betragen 1/2 Zoll oder 2/3 Zoll (siehe technische Daten in der Bedienungsanleitung der Kamera). Die ungefähre Grösse der Sonne auf dem gewohnten Fernsehbildschirm zu Hause erhält man, indem man die Objektivbrennweite in Millimeter mit der Höhe des Fernsehbildschirmes (in mm) multipliziert und durch die Zahl 500 dividiert (bei 1/2 Zoll Detektoren). Bei 2/3-Zoll-Detektoren ersetzt man den Divisor 500 durch den Divisor 600. Beispiel: Wird mit einer Brennweite von 66 mm auf einen 1/2-Zoll Chip aufgenommen, so erscheint die Sonne auf einem 21"-Bildschirm (Bildhöhe 300 mm) ca. 40 mm gross. Verschiedene Objektiv-Hersteller bieten jedoch Telekonverter an, mit denen die Abbildungsgrösse gesteigert werden kann, allerdings bergen Faktoren grösser als 2x die Gefahr der Bildvignettierung. Ausserdem ist bei sehr hohen Vergrösserungen auch für Videoaufnahmen eine Nachführvorrichtung oder wenigstens eine handgetriebene Feinnachführung erforderlich. Abolut unerlässlich ist aber wie bei der Fotografie die Verwendung eines robusten Dreibeinstativs. Bildstabilisatoren (image stabilizers) nützen bei hohen Brennweiten und besonders bei Verwendung von Zweifachtelekonvertern nichts mehr. Für das Ein- und Ausschalten sowie das Zoomen empfiehlt sich der Einsatz einer Fernbedienung, um Verwacklungen zu vermeiden. Eine Videokamera vibriert schon beim leichten Anrühren der Tasten. Am besten nonstop filmen und später bei der Montage allfällige Vibrationen herausschneiden. Autofokus-Einrichtungen müssen unbedingt abgeschaltet und die Entfernung manuell auf Unendlichkeit eingestellt werden. Mit Telekonverter hingegen kann es ratsam sein, den Autofokus eingeschaltet zu lassen, da diese in der Unendlichkeitseinstellung leicht unscharfe Bilder hervorrufen kann (am besten im voraus testen).

Der Reiz von Videoaufnahmen liegt vor allem in den sich rasch folgenden Phänomenen beim Eintritt der Totalität, d. h. des Perlschnur- und des Diamantringeffektes, deren direkte Beobachtung von blossem Auge auch nicht ganz unbedenklich ist. Besonders herausragend aber sind Aufnahmen des sich nähernden Kernschattens, die man am besten mit extremen Weitwinkelobjektiven macht. Ein weiterer Vorzug von Video- gegenüber fotografischen Aufnahmen ist die Tonaufnahme, mit denen die spontanen Ausrufe der umstehenden Leute eingefangen werden können. Tonaufnahmen erlauben auch den eigenen Kommentar, Zeitangaben und Kameraeinstellungen, Beschreibungen und die eigenen Eindrücke aufzuzeichnen.

Wenn es die Kamera erlaubt, sollte die Belichtungsautomatik unbedingt abgeschaltet werden. Um die partiellen Phasen aufzunehmen, sind Filter wie unter dem Kapitel Fotografie beschrieben erforderlich (Mylarfolie oder chrombeschichtete Glasfilter). Auch hier gilt, dass die Belichtung der Partialität lange im voraus mit dem verwendeten Filter getestet werden kann. Einige Sekunden vor Eintritt der Totalität muss das Filter entfernt werden (Vorsicht, nicht durch die Optik blicken -
Bildausschnitt noch mit Filter nachjustieren!). Damit können die Perlschnur- und Diamantringeffekte eingefangen werden. Selbst für die Totalität gibt es einen verlässlichen Anhaltspunkt für die Belichtung, die sich im voraus bestimmen lässt. Da der Vollmond punkto Helligkeit mit der Sonnenkorona während der Totalität verglichen werden kann und etwa die gleiche Grösse wie die Sonne aufweist, bietet er die Möglichkeit, die Abbildungsgrösse und die Belichtungseinstellungen des Camcorders zu ermitteln. Die beste Belichtungszeit liegt um 1/15 Sek., welche die horizontalen Balken vermeidet, die bei kürzeren Zeiten sichtbar werden.
 
 


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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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