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Die längste totale Sonnenfinsternis in diesem Jahrhundert ist entlang einem Streifen durch Indien, China und im Pazifik sichtbar. Die partielle Phase der Finsternis ist in Südostasien, in der Südsee und Japan beobachtbar.
Keine totale Sonnenfinsternis im 21. Jahrhundert wird länger dauern als die totale Sonnenfinsternis vom 21./22. Juli. Nur 1 Stunde und 12 Minuten nach dem Neumondzeitpunkt durchstösst der Mond die Erdbahnebene im absteigenden Knoten. Am gleichen Tag, nur 6 Stunden zuvor stand der Trabant in Erdnähe und erscheint mit 33' 25.2" scheinbarer Grösse einiges grösser als die Sonne (31' 28.8"). Es kommt zu einer relativ langen totalen Sonnenfinsternis, welche im Maximum mit 6 Minuten und 39 Sekunden Dauer während des gesamten Jahrhunderts nie mehr übertroffen wird!
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Die 205 km bis 258.5 km breite Totalitätszone erstreckt sich von Indien (nördlich Mumbay) über Nepal und Bhutan nach China, knapp südlich an Japan vorbei in den Pazifik, wo noch einige Südseeinseln in den Nachmittagsstunden vom kreisrunden Mondkernschatten überfahren werden.
Die Totalität beginnt 02:54 Uhr MESZ (00:54 UT) mit einer Dauer auf der Zentrallinie von 3 Minuten 9 Sekunden. Mit jedem Kilometer wächst die Finsternisdauer markant an. Schon um 03:00 Uhr MESZ (01:00 UT) haben wir die 4-Minuten-Marke überquert, weitere zehn Minuten später, wenn die Mondschattenellipse bereits die chinesischen Städte Chengdu und Chonquing erfasst, währt die Finsternis bereits 4 Minuten 43 Sekunden und noch vor Wuhan kann man die "schwarze Sonne" während 5 Minuten bewundern. In Shanghai, das etwas nördlich der Zentrallinie liegt, dauert die totale Finsternis ebenfalls 5 Minuten, während man auf der Mittellinie eine schon fast 6-minütige Totalität erleben würde!
Jetzt verlässt der mittlerweile kreisrunde Mondkernschatten das Festland und rast in den Pazifik hinaus. Hier werden die japanischen Riuku-Inseln, darunter Tanga-Shima und Yaku-Shima (am nördlichen Rand der Totalitätszone) und O-Shima (südlicher Rand der Totalitätszone) gestreift. Weiter geht die Reise der "fahrenden Nacht" über einige Marshall-Inseln wie das Eniwetok-Atoll hinweg nach Südosten. Hier wird denn auch gegen 04:35 Uhr MESZ (02:35 UT) am Ort 144° 08' östlicher Länge und 24° 12' nördlicher Breite die längste Totalitätsdauer mit 6 Minuten 39 Sekunden im "wahren Mittag" erreicht.
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Wo herrschen die besten Chancen auf klaren Himmel? Die Sonnenfinsternis am 21./22. Juli 2009 tritt ziemlich genau mit dem Ende der Monsunzeit auf. Entsprechend sehen die langjährigen statistisch zu erwartenden Wetterverhältnisse entlang der Zentrallinie zumindest im Morgenabschnitt der Finsternis wenig verheissungsvoll aus. Über Indien, Nepal und Bhutan muss man mit einer Wolkenwahrscheinlichkeit von 65% bis zu recht hohen 85% rechnen.
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Erst ab dem chinesischen Chengdu werden die Verhältnisse etwas günstiger (Wolkenwahrscheinlichkeit 57%). Noch etwas sicherer ist die Gegend um Chongqing (53%). Dann steigt das Risiko, eine wolkenreiche Finsternis zu erleben, vorübergehend noch einmal auf 65% an, um gegen Shanghai hin auf knapp 51% abzusinken. Überhaupt scheinen die Pazifikküste und die Südjapanischen Inseln die besten Beobachtungsverhältnisse zu bieten (um 50% Wolkenwahrscheinlichkeit). Dies entspricht zum Vergleich etwa den Verhältnissen, die für die Sonnenfinsternis von 1999 für Mitteleuropa ausgegeben wurden.
Bei der totalen Sonnenfinsternis vom 21./22. Juli 2009 sinkt die Wolkenwahrscheinlichkeit leider nirgends tiefer als 40%. Erst das Ende der gesamten Totalitätszone mitten im Pazifik und weitab jeglichen Festlandes herrschen mit 45% statistisch gesehen die günstigsten Verhältnisse.
Es sei jedoch gesagt, dass diese Werte nur eine grobe Angabe für die Wahl eines geeigneten Beobachtungsortes geben können. Es kann durchaus passieren, dass das tendenziell eher Wolken verhangene Indien klaren Himmel aufweist, während man über China Gewölk verzeichnet. Auf Hawaii, wo 1991 die Vorgängerfinsternis dieser Saros-Reihe stattfand, hätte der Autor nur 10% Wolkenwahrscheinlichkeit gehabt, doch von der Totalität sah man gar nichts; es regnete!
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Durch die grosse Breite der Kernschattenzone wird es verglichen mit anderen totalen Finsternissen merklich dunkler, weil das Horizontleuchten um die Finsternismitte herum effektiv nur knapp über dem Horizont zu sehen sein wird.
Die total verfinsterte Sonne steht in den Zwillingen, in einer Linie mit den Sternen Kastor und Pollux. Auffällig hell (-1.2 mag) wird 9° östlich (links der Sonne) Merkur leuchten, 41° westlich die -4.0 mag helle Venus. Von den Fixsternen dürfte man während der langen Totalität den Versuch wagen, nach Sirius (im Süden) und Capella hoch im Zenit Ausschau zu halten. Ebenfalls sollten Rigel und Beteigeuze im Orion zu sehen sein, mit etwas Glück auch der lichtschwächere Aldebaran im Stier.
Diese Beschreibung gilt für einen Ort, der die Finsternis um die Mittagszeit herum erlebt. In Indien dagegen, wo die Sonne tief am Osthorizont steht, wenn die Totalität eintritt, leuchtet Venus in östlicher Blickrichtung rund 38° über dem Horizont, Jupiter entdeckt man in südwestlicher Richtung.
Wie dunkel die totale Finsternis wirklich ausfällt, hängt von regionalen klimatologischen Verhältnissen ab. Je mehr Dunst in der Luft liegt, desto mehr Streulicht kann aus den Gebieten, wo die Sonne nicht komplett verdunkelt wird, in den Kernschatten einfallen. Auf jeden Fall sollte man auf die hereinbrechende Dämmerung vorbereitet sein, vor allem wer gedenkt, zu fotografieren.
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Beeindruckend sind stets die Momente kurz vor Beginn der totalen Sonnenfinsternis. Die längst in ein unirdisch wirkendes bleifarbenes Licht getauchte Landschaft erfährt kurz vor dem Höhepunkt ein fantastisches Licht- und Farbenspiel. In der Richtung, aus welcher der Mondkernschatten herannaht, wird es auf einmal merklich dunkler; es baut sich eine richtige Schattenwand auf. Augenblicklich färbt sich der Horizont in einzigartigen türkis- bis orangefarbenen Tönen, während sich das Firmament tief Königsblau überzieht.
Die Sonnensichel schmilzt jetzt sichtbar zu einem schmalen Lichtfaden und noch bevor das gleissendhelle Sonnenlicht ganz erlischt, machen sich die äusseren Bereiche der Sonnenkorona bemerkbar. Wie der nachglimmende Docht einer Kerze zeigen sich die letzten Lichtperlen am zerfurchten Mondrand. Wir erleben den Diamantring-Effekt. Mit etwas Glück huschen in diesem Moment fliegende Schatten über das Gelände, die durch das Luftflimmern hervorgerufen werden. Am besten sieht man dieses Phänomen, wenn man eine grosse weisse Fläche (etwa ein Leintuch) flach auf den Boden auslegt.
Dann ist der Moment gekommen, auf den man so sehr hingefiebert hat. Die Mondscheibe deckt die Sonne nun komplett ab. Nur wenige Sekunden kurz ist der rötliche Lichtsaum der Chromosphäre zu sehen, Protuberanzen, sofern es welche gibt, überragen den Mondrand als kleine rote "Flämmchen". Und weit in den Raum hinaus entfaltet sich die Sonnenkorona, deren Form zum jetzigen Zeitpunkt - die Sonne ist nach wie vor äusserst inaktiv - schwierig vorauszusagen ist. Tendenziell dürfte aber eher eine Minimumskorona zu erwarten sein, also eher ein gezacktes und entlang dem Sonnenäquator breit gezogenes Aussehen aufweisen.
Auch in der Natur - je nach dem, wo man sich aufhält - sind faszinierende Beobachtungen zu machen. Vögel verstummen, lassen sich auf Sträuchern oder Bäumen nieder und wer sich abseits vom Jubelgeschrei Zehntausender von Schaulustigen in der Wildnis befindet, dürfte sogar das Verstummen anderer Tierarten registrieren, während die Zikaden ihr Konzert bereits um die Mittagszeit starten. Die Lufttemperatur sinkt während der Totalität fühlbar um einige Grade. Auch hier spielt es eine Rolle, in welcher Höhenlage und in welcher Nähe zum Meer man die Finsternis beobachtet. Es ist auch gut möglich, dass mit Eintritt der Totalität heftige Windböen, der Finsterniswind, einsetzt, der sich aber bald wieder legt. Quellwolken können sich infolge der Abkühlung während der totalen Finsternis vorübergehend durchaus auflösen.
Der Saros 136 brachte im 20. Jahrhundert die längsten totalen Sonnenfinsternisse hervor. Am 18. Mai 1901 dauerte die totale Phase 6 Minuten 29 Sekunden, am 29. Mai 1919 erreichte sie schon 6 Minuten 51 und knackte einen Zyklus später, am 8. Juni 1937 mit 7 Minuten 4 Sekunden erstmals die rekordverdächtige 7-Minuten-Marke. Am 20. Juni 1955 kamen nochmals 4 Sekunden dazu. Damit war die längste Totalität des Saros' 136 erreicht. Danach sank die Totalitätsdauer am 30. Juni 1973 wieder auf 7 Minuten 4 Sekunden, erreichte am 11. Juli 1991 6 Minuten 53 Sekunden und wird in der Folge immer kürzer. Die letzte totale Sonnenfinsternis dieser Reihe, welche am 13. Mai 2496 eintritt, wird es bloss noch auf 1 Minute 2 Sekunden schaffen!
Die theoretisch mögliche Totalitätsdauer von 7 Minuten 31 Sekunden wird zwischen 3000 vor Christus bis 3000 nach Christus gar nie erreicht! Und auch im gesamten 21. Jahrhundert warten wir vergeblich auf eine Finsternis, die nochmals so lange dauert, wie die totale Sonnenfinsternis von 2009.
Dennoch ist der Saros 136 besonders hervorzuheben. In nicht allzu ferner Zukunft, nämlich am 2. August 2027 wird die Totalitätszone über die Meerenge von Gibraltar entlang der nordafrikanischen Küste verlaufen und nochmals 54 Jahr später, am Morgen des 3. September 2081 über Deutschland, der Schweiz und Österreich zu liegen kommen.
In Google Earth ladbare Finsternispfade (von Arnold Barmettler mit seinem Online-Rechner CalSky zusammengestellt):
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