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Totale Sonnenfinsternis 29.3.2006 in Side, Türkei

Von Lucia Kleint

Nachdem ich am 11.8.1999 verregnet wurde und die ringförmige Sonnenfinsternis 2005 mitten in den Schlussdiplomprüfungen lag, wollte ich 2006 die Gelegenheit, eine Sonnenfinsternis zu sehen, nicht verpassen. So flogen wir, 4 Physikstudenten der ETH, für eine Woche in die Türkei. Unser Hotel in Side lag nur wenige Kilometer von der Zentrallinie entfernt.

Hauptplatz von Side vor der Finsternis

Am Finsternistag kam sofort nach dem Erwachen der Sprung aus dem Bett zum Fenster. Keine einzige Wolke sichtbar, Glück gehabt. Die Prognosen vom Vortag hatten Cirrus- und Altocumulus-Wolken vorausgesagt. Beruhigt konnten wir zum Morgenessen und danach zu unserem vorher besichtigten Beobachtungsplatz aufbrechen. Beladen mit Stativ, Kameras, mehreren Speicherkarten und Sonnenfiltern spazierten wir am Tempel vorbei zu unserem Ziel. Sogar die Strassenhändler hatten an diesem Tag schon aufgegeben, uns in ihre Geschäfte zu locken. Spätestens am Tempel merkte man, dass eine Sonnenfinsternis ein Grossereignis ist. Hunderte von Menschen mit Teleskopen, Kameras und sogar Zelten bezogen schon Stunden vor Beginn der partiellen Phase ihre Plätze.

Wir hatten uns aber einen Strand mit Sanddünen und ohne Strassenbeleuchtung ausgesucht. Die Wolken über den entfernten Bergen störten uns nicht, die waren in den letzten Tagen auch immer dort gewesen und geblieben.

So packten wir unsere Kameras aus, bereiteten alles vor und pünktlich um 12:38 Ortszeit begann die partielle Phase. Alle 5 Minuten wurde ein Bild gemacht. Folgende Fotomontage zeigt den Ablauf der Finsternis.

Fotomontage des Ablaufs der Finsternis (auf Bild klicken für grosses Bild)

Schon eine Minute vor Beginn der Totalität entfernte ich den selbstgebastelten Sonnenfilter von der Kamera, um auf keinen Fall den 2. Kontakt zu verpassen. Mit einer Hand vor dem Objektiv hoffte ich, dass mein CCD-Chip nicht gebraten wird. Plötzlich ging alles sehr schnell. Es wurde so dunkel, dass ich meine Notizen mit den Belichtungszeiten nicht mehr lesen konnte. War sowieso nicht tragisch, nach mehreren Übungen in den letzten Tagen konnte ich das Papier auswendig, für den Notfall hätte sogar eine Taschenlampe daneben gelegen. Nur noch ein heller Punkt war links oben auf der Sonne zu sehen, danach ganz kurz die Perlschnur, die Chromosphäre und die Korona. Durch den Sucher der Kamera konnte man eine Protuberanz erkennen. Zum Glück hatte ich einen Fernauslöser, so konnte ich fast immer nach oben schauen und nur kurz die Belichtungszeiten ändern. Kein Bild kann zeigen, wie eine Sonnenfinsternis wirklich aussieht. Der Himmel war nicht schwarz, sondern dunkelblau. Gegen den Horizont wurde er hellblau, dann gelb, orange und rot. Venus war rechts unterhalb der Sonne gut zu erkennen und links noch ein Stern/Planet, sehr wahrscheinlich Mars. Während man vor der Totalität noch Leute reden hörte, herrschte nun völlige Stille. Wir alle waren überwältigt.

Perlschnur (ISO 200, F/5.6, 1/4000s)Chromosphäre (ISO 200, F/5.6, 1/2500s)

innere Korona (ISO 200, F/5.6, 1/400s)äussere Korona (ISO 200, F/5.6, 1/50s)

Im nächsten Bild folgt eine bearbeitete Aufnahme (7 Aufnahmen total, jeweils ‚Originalbild - Radial Blur-Filter Bild’ berechnen, dann diese neuen Bilder summieren und das Resultat mit dem längstbelichteten Korona-Bild multiplizieren, am Schluss Kontrast und Helligkeit anpassen), um die Strukturen der Korona besser sichtbar zu machen. Dort wo grössere Sonnenflecken waren (ca. auf 11 Uhr), welche man hier nicht sieht, kann man Verwirbelungen in der Korona erkennen.

bearbeitete Aufnahme von total 7 Aufnahmen, um die Struktur der Korona herauszuarbeiten.

Die 3 Minuten und 45 Sekunden waren viel zu schnell vorbei. Unter Applaus vieler Finsternisbeobachter kam die Sonne wieder hervor. Eine solche Finsternis ist ein unglaublicher Anblick, wir freuen uns schon auf 2008.

Lucia Kleint

Ausrüstung: Canon EOS 350D, Stativ und Objektiv mit 480mm Brennweite
Filter: selbst gebastelt mit Baader Sonnenfilterfolie
Zeiten sind +-5s, weil wir weder GPS noch Funkuhr hatten.

Weitere Berichte und Hintergrundinformationen


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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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