Beobachtungsbericht von der Sonnenfinsternis am 29. März 2006
Die Bucht von Adrasan
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Totale Sonnenfinsternis am 29.3.2006. © Stefan Seip. |
Von Stephan Fichtner und Stefan Seip
Es war das perfekte Wetter für eine Finsternis! 3500 Kilometer war ich diesmal gereist: Mit dem Auto von Stuttgart über München und den Brenner nach Ancona. Und dort auf die erste Fähre, die von Italien nach Cesme (Westtürkei) fuhr. Zweieinhalb Tage den italienischen Stiefel runter und durch den Peleponnes. Von Cesme aus war es dann noch einmal fast eine Tagesreise nach Adrasan, einem kleinen, idyllisch an einer einsamen Bucht gelegenen Dorf, etwa hundert Kilometer südlich von Antalya.
Schon in den letzten Tagen vor der Finsternis konnten alle, die auf das Pferd Türkei gesetzt hatten, die Hiobsbotschaften auf Astrowetter.com lesen: „Dramatischer Modellschock – Türkei unter Wolkenschleppe“, hieß es da.
"Nur ruhig Blut", dachte ich, denn schließlich war der Himmel, unter dem ich gerade auf der Fähre dahintuckerte, stahlblau.
Auch die Nacht vor der Finsternis, die ich bereits in Adrasan verbrachte, war vom Seeing her exzellent. Also bauten wir unsere Gerätschaften am nächsten Morgen in aller Ruhe auf. Endlich mal eine Finsternis, bei der keine Hektik wegen den unsicheren Wetterlage angesagt war oder wo man schon in aller Frühe auf den Beinen sein musste – quasi eine Finsternis für Faule! Zumal Antalya flugtechnisch sehr nahe an Europa liegt und viele Finsternisjäger anlockte.
Doch zurück zum Wetter: Der Tag begann, wie die Nacht zuvor geendet hatte – klar!
Pünktlich um 12:36 Ortszeit knabberte der Mond das erste Stückchen aus der wie zur Feier des Tages mit drei Sonnenflecken verzierten Sonnenscheibe. Parallel dazu verdichtete sich das Wolkenpaket hinter der westlich von uns liegenden Gebirgskette. Je weiter der Mond die Sonnenscheibe verdunkelte, umso höher schienen sich die Wolken hinter der Gesteinsbarriere aufzutürmen, ja schienen manchmal wie in einem Topf kochender Milch überzuschäumen. Doch um es vorweg zu nehmen: Der Damm hielt! Lediglich einige kleinere Schleierwölkchen zogen unterhalb der Sonne vorbei, konnten dem Spektakel aber nie wirklich gefährlich werden. Fast vier Minuten Totalität mit einer außergewöhnlich hellen und weit ausgedehnten Korona, mindestens zwei schönen Diamantringen und einigen Protuberanzen konnten alle "Adrasaner" auf ihrem Finsterniskonto verbuchen.
Stephan Fichtner
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Stephan Fichtner gelang diese ungewöhnliche Aufnahme der durch das Erdlicht
erhellten Mondoberfläche während der totalen Sonnenfinsternis eigentlich aus einem Missgeschick:
Versehentlich blieb der Sonnenfilter auf dem Teleskop und die Aufnahme wurde 30 Sekunden lang belichtet.
Die Umgebung ist durch die Sonnenkorona hell überstrahlt.
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