Finsternisse
Das Logo von www.astronomie.info: astro-info mit dem '!'
Organized travels to see the black sun
Am Himmel · News
 
Astrolexikon
 
Finsternisse
 
Planetarium
 
Sternbilder
 
Schweiz
 
Deutschland
  

Eine spanische Finsternis

Für die ringförmige Sonnenfinsternis am 3. Oktober 2005 bin ich von Stuttgart aus mit dem Auto nach Spanien aufgebrochen. Da alle Wetterprognosen am Wochenende vor der Finsternis für die Region um Madrid herum gutes Wetter voraus sagen bleibe ich westlich der spanischen Hauptstadt in der Region Kastilien, wo ich für die Redaktion von ASTRONOMIE HEUTE zuvor schon an einem ESA-Workshop zum Thema "Venus Express" teilgenommen hatte.

Sonnenansicht um die Ringförmigkeit. S. Fichtner, Astronomie Heute.

Meine Ortswahl fällt auf das kleine Städtchen Avila (4,6 Grad West, 40,7 Grad Nord), etwas westlich von Madrid in Richtung Salamanca.

Dort finde ich am Ortseingang ein Hotel, dessen Frontfassade genau gen Osten zeigt. Und was noch wichtiger ist: Es hatte ausreichend viele Balkons, um mir einen passenden auszusuchen, um mein umfangreiches Equipment in Ruhe aufbauen und einrichten zu können. Was kann es Idealeres geben?

Als ich mein Gepäck aus dem Wagen hole winken mir spontan zwei Motorradfahrer zu, als würden wir uns schon lange kennen. Claus und Boris kommen aus Leverkusen und Neuss und sind gemeinsam auf Spanien-Rundreise, die Sie mit der Sonnenfinsternis krönen wollen. Sie haben mein deutsches Kennzeichen gesehen und da ich die Spektrum-der-Wissenschaft-Jacke trage, haben Sie sich gleich gedacht, sie seien bei mir an der richtigen Adresse. Ich verspreche Ihnen, dass wir die Sonnenfinsternis gemeinsam auf meinem Balkon beobachten werden. Im Gegenzug helfen sie mir, meine Instrumente in den 5. Stock hinaufzuschleppen, wofür ich sehr dankbar bin. Nach einer gemeinsamen Runde spanischen Biers gehen wir zu Bett.

Ich schlafe unruhig. Beim letzten Kontrollblick aus dem Fenster um 4:30 Uhr ist der Osthorizont zwar leicht dunstig, bietet aber (noch) keinen Grund zur Panik. Anders ist das schon kurz vor 8 Uhr: Dicke Wolkenpakete bevölkern den ganzen Horizont. Doch jetzt ist es zu spät, wieder alles zusammenzupacken. Teleskop und Russentonne sind bereits seit gestern Abend fertig montiert. Würde ich jetzt alles wieder abbauen, verpacken und weiterfahren, so würde mich die Finsternis sicherlich im Auto überraschen. Also harre ich aus. Und richtig: Kurz nachdem die Sonne aufgegangen ist, dampft sie die dunklen Wolkenpakete in Rekordzeit ein.

Die partielle Verfinsterung beginnt pünktlich um 09:40 MESZ. Stück für Stück knabbert der Mond von oben kommend Teile aus der makellosen Sonnenscheibe heraus. Schon jetzt ist klar, dass der Mond diesmal zu klein sein wird, um die gleißende Sonnenscheibe komplett abzudecken.

Zur Mitte der Finsternis hin wird das Licht der Sonne irgendwie unwirklich, was man vor allem dann merkt, wenn man große beleuchtete Flächen wie die Wiese mit den Schatten der Stadtmauer von Avila betrachtet.

Besonders deutlich zeigt die Belichtungsautomatik der digitalen Kamera den Leuchtkraftverlust unseres Tagsterns an: Die Belichtungszeiten verschieben sich sukzessive von 1/2000 Sekunde bei Beginn der Finsternis bis zu 1/30 Sekunde während der Annularität hin.

Fast genau vier Minuten Ringförmigkeit (von 10:56 bis 11:00 Uhr MESZ) dürfen wir erleben, in der der zu kleine Mondschatten langsam seinen Weg vom einen Sonnenrand zum anderen zurücklegt. Vor allem kurz vor und kurz nach der Ringförmigkeit wenn die Sonnenscheibe eine schmale Sichelgestalt zeigt, wird der Einfluss der Mondberge und -täler deutlich. Die Auswertung der analogen Bilder wird zeigen, ob es mir gelungen ist, Effekte wie das Perlschnurphänomen auf Film zu bannen.

Autor: Stephan Fichtner/ Redaktion Astronomie Heute



Top of Page

21.12.2006 00:00 Uhr, Arnold Barmettler

astro!nfo