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Erlebnis ringförmige Sonnenfinsternis

Ringfoermige Sonnenfinsternis  
Ringförmige Sonnenfinsternis. R. Brodbeck & A. Barmettler.

Am Morgen des 3. Oktobers 2005 zog eine ringförmige Sonnenfinsternis über die Iberische Halbinsel. Die Astroinfo-Redakteure Arnold Barmettler und Roland Brodbeck konnten mit Wetterglück die Finsternis verfolgen.

Bei einer ringförmigen Sonnenfinsternis steht der Mond zu weit von der Erde entfernt um die Sonne ganz zu verdecken, selbst wenn Sonne und Mond für einen Beobachter exakt hintereinander stehen. Es wird somit bei weitem nicht so dunkel wie bei einer totalen Sonnenfinsternis. Auch Protuberanzen und Korona werden vom Sonnenring überstrahlt. Deshalb ist die Bereitschaft, für eine ringförmige Sonnenfinsternis auf ferne Kontinente zu reisen, bedeutend geringer als bei einer totalen Sonnenfinstenris.

Flucht vor den Wolken

Da Spanien mit einer vergleichsweise kurzen Reise erreichbar ist, entschlossen wir uns, die Gelegenheit zu nutzen, um nach etlichen totalen auch einmal das Naturschauspiel einer ringförmigen Sonnenfinsternis zu erleben. Es hat sich gelohnt, auch eine ringförmige Sonnenfinsternis hat einiges zu bieten.


Situationsplan. Der von uns schliesslich erreichte Beobachtungsplatz befindet sich beim roten Pfeil links oben.

Die Zentrallinie (Orte, wo für einen Augenblick Sonne und Mond exakt hintereinender stehen) überquerte von der nordöstlichsten Ecke Portugals her kommend Madrid und verlies das Festland an der Mittelmeerküste südlich der Stadt Denia beim Kap de La Nau. Ausgerüstet mit einem Linsenteleskop (William Optics Megrez 80 II ED Triplot Apo, 560mm Brennweite) und einem H-Alpha-Teleskop (Coronado SolarMax Telescope 40) sowie Mietauto warteten wir nahe Denia auf den grossen Tag.

Der Tag vor der Finsternis war entgegen den Gewohnheiten für Spanien dicht bewölkt. Zum Glück versprachen die Wettermodelle gerade rechtzeitig am Morgen der Finsternis ein Aufklaren. Tatsächlich hatten die Modelle teilweise recht. Bei Sonnenaufgang vor der Finsternis war es in und um Denia aufgelockert bewölkt. Gegen Norden in Richtung Valencia jedoch klar, wie wir in Livebildern des Lokalfernsehens sehen konnten. Obwohl die Wolken zögerlich lockerer wurden, entschlossen wir uns, eine Stunde vor dem ersten Kontakt doch noch einige Kilometer Richtung Nordwesten zu fahren und dabei der Zentrallinie in das Landesinnere zu folgen. Falls nötig waren wir auch bereit, die Zentrallinie in Richtung Norden zu verlassen.

Erlebnis ringförmige Finsternis

In den Bergen westlich von Gandia, beim Berg Monduver, trafen wir einen klaren Himmel an. Nur tief am Horizont waren die Wolken bei Denia zu sehen.

Die partielle Phase hatte bereits begonnen als wir mit unseren Instrumenten bereit waren. Rund 30 Minuten vor dem zweiten Kontakt wurde es deutlich dunkler, man begann zu bemerken, dass eine Finsternis stattfand. Die Schatten der Büsche und Menschen wurden schärfer, während mehr und mehr der Sonne hinter dem Mond verschwand. Auch die Tageserwärmung stoppte und kehrte sich in eine Abkühlung um. Diese Abkühlung wurde kurz vor der ringförmigen Phase so stark, dass wir sogar an die Finger froren.

Kurz vor der ringfoermigen Phase  
Die Sonnensichel kriegt Hörner. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Die Hörner der Mondsichel begannen sich nun zu einem Kreis zu schliessen. Ein ganz kurzer Perlschnureffekt war noch zu sehen. Anders als bei einer totalen Finsternis war hier wie erwartet der Beginn der zentralen Phase (ringförmige Phase) nicht von einem markanten Dunklerwerden begleitet.

Am relativ dunklen aber noch tagblauen Himmel stand nun eine ringförmige Sonne. Jupiter wäre unterhalb der Sonne gestanden. Es blieb jedoch zu hell, um den Planeten sichtbar werden zu lassen. Die Stimmung mit dem Ring am Himmel hatte etwas merkwürdig fremdes an sich. Es war Tag jedoch irgendwie nicht Tag auf der Erde.

Mit einem kurzen Perlschnureffekt endete nach über vier Minuten die ringförmige Phase. Während der nun folgenden partiellen Finsternis wurde es allmählich wieder wärmer und heller. Zum Ende der partiellen Phase setzte an den Bergen schliesslich Thermik ein, die ersten Quellwolken bildeten sich. Man war wieder im Tageslicht auf der Erde.


Stimmung am Beobachtungsstandort: 39 Grad 0 Minuten 9.7 Sekunden Nord, 0 Grad 16 Minuten 20.3 Sekunden West. Fotomontage von R. Brodbeck

Bilder in Weisslicht

Für die Weisslichtbilder stand uns ein Linsenteleskop mit 80 mm Öffnung und 560 mm Brennweite zur Verfügung. Dieses war mit einem Weisslicht-Sonnenfilter am Objektiv ausgerüstet. Als Aufnahmegerät diente eine Digitalkamera Nikon Coolpix 4500. Die Kamera wurde mit einem Adapter auf ein Okular mit 30 mm Brennweite gesetzt. Mit dem optischen Zoom der Kamera wurde dann das Sonnenbild formatfüllend herangeholt.


Kurz vor dem 2. Kontakt. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Mitte der ringförmigen Finsternis. Sonne und Mond stehen fast exakt hintereinander. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Berge am Mondrand sorgen für einen kurzen Perlschnureffekt.

Bilder im Wasserstoff-Licht H-Alpha

Protuberanzen sind für das blosse Auge nur während einer totalen Sonnenfinsternis zu sehen. Spezielle Filter, die nur das Licht einer bestimmten Emissionslinie des Wasserstoffatoms durchlassen, sind jedoch in der Lage, auch ausserhalb einer totalen Sonnenfinsternis diese Erscheinungen auf der Sonne zu zeigen. Am Finsternistag zeigte die Sonne etliche Protuberanzen. Das Verschwinden und wieder Auftauchen dieser Protuberanzen hinter dem Mondrand durch das H-Alpha-Teleskop zu beobachten hat einen besonderen Reiz.


Protuberanzen vor dem 2. Kontakt. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Nach dem 3. Kontakt schauen unten immer noch Protuberanzen hinter dem Mond hervor. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Protuberanzen während der zweiten partiellen Phase. © R. Brodbeck & A. Barmettler.

Weiterführende Links

Sicherheit

Wie bei jeder Sonnenbeobachtung ist auch während der gesamten Dauer der Finsternis (ja, auch während der ringförmigen Phase!) für professionellen Augenschutz zu sorgen. Wenn Sie zur teilweise verfinsterten Sonne hochblicken, müssen Sie einen für die Sonnenbeobachtung zugelassenen Augenschutz tragen ("Finsternisbrille", → hier zu beziehen). Optische Geräte müssen ebenfalls mit einem vom Hersteller für die Sonnenbeobachtung vorgesehenen Filter ausgestattet werden.

WARNUNG: Das Starren in die Sonne kann zu Augenschäden führen. Der Blick zur Sonne durch ein ungeschütztes optisches Instrument (Ferngläser, Fernrohre, etc.) WIRD IN SEKUNDENBRUCHTEILEN ZUR ERBLINDUNG FUEHREN! Dies gilt auch, wenn die Sonne durch den Mond teilweise verdeckt wird.



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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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