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31. Mai 2003 - Feuerring über Island!

Ein Erlebnisbericht von Markus Burch, Luzern

Am 31. Mai 2003 bedeckte der Mond die Sonne - weil der scheinbare Durchmesser des Mondes kleiner war als derjenige der Sonne kam es in der Region Grönland, Island und Schottland zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Island aber war fast vollständig durch Wolken eines Ausläufers einer Störungszone überzogen. Fast vollständig jedenfalls - wir hatten Glück und konnten von einem Fjord aus die wichtigsten Augenblicke der Sonnenfinsternis durch Wolkenlücken beobachten!

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Die ringförmige Sonnenfinsternis vom 31. Mai 2003 über Island. Fotografiert von M. Burch.

Kurz vor Mitternacht war unser Ford Transit vollkommen beladen und wir fuhren zum Standort Godafoss. Von dort aus sollten wir dann neue Instruktionen von Uwe und Stefan erhalten, die in Husavik und Akureyri waren und dort als Vorposten dienten.

Wir fuhren frohen Mutes am Mývatn entlang über die Ringstrasse zum Godafoss. Unterwegs bremste uns ein vor uns fahrender Polizeiwagen aus, der einfach nicht abbiegen wollte, und uns mit seiner langsamen Fahr fast zur Verzweiflung trieb. Nach langen Minuten bog er dann endlich doch noch ab, so dass Rosemarie wieder richtig Gas geben konnte. Am Godafoss war es noch immer sehr hell und wir warteten ungeduldig auf das Klingeln des Mobiltelefons, über das wir weitere Instruktionen für unser Reiseziel erfahren sollten. Wir vergnügten uns im Freien mit dem Lesen isländischer Informationstafels. Es gab zu dieser Zeit ein starker Ostwind und ganz im Norden war immer noch die Lücke in den Wolken zu sehen.

Gegen 0030 Uhr kam dann endlich die Aufforderung, dass wir zum Flughafen in Akureyri fahren sollen um dort Stefan zu treffen. Die Entscheidung war also gefallen - wir würden von dort nach Nordwesten zum Beobachtungsplatz 4 fahren; also zur Tunneleinfahrt vor dem Ólafsfjörður. Wir fuhren wieder los und über den Pass Richtung Akureyri. Man merkte, wie sich die Spannung bei den Leuten ständig erhöhte. Als dann der Blick gegen Norden über den Fjord frei wurde, sahen wir, dass die Wolkenlücke unten immer noch da war - aber würde uns die Lücke genügend lange erhalten bleiben, um uns den lang ersehnten Blick auf den Feuerring der bald ringförmig verfinsterten Sonne zu gestattten? Zudem gab es über dem Fjord einigen Dunst - würde sich dieser zu einem Seenebel verdichten? Endlich erreichten wir so gegen 01:30 Uhr den Flughafen. Stefan kam sofort auf uns zu und die Fahrt ging sofort weiter. (Erst wieder zurück in Luzern erfuhr ich, dass dort ein Kollege von mir auch noch dabei war, der sich erst kurzfristig nach meiner Abreise für den Flug angemeldet hat.)

Unsere Reise ging quer durch Akureyri nach Nordwesten, Richtung Dalvík. In Akureyri kamen die Leute offenbar vom Ausgang heim; auf der Strasse hatte es für isländische Verhältnisse ziemlich viel Verkehr. Wir überholten einige der Langsamfahrer. Wir kamen gut voran und hofften, dass wir auf dem Parkplatz auch noch genügend Freiraum für unsere Fahrzeuge und Instrumente vorfinden würden...

Als wir uns dem Ziel näherten, sahen wir bereits viele auf der alten Bergstrasse stehen. Der Parkplatz war natürlich ebenfalls fast schon voll. Wir hatten Glück und konnten gerade noch einen der letzten Plätze ergattern. Rosemarie schlug vor, die Fahrzeuge für den Fall zu wenden, dass wir am Ende doch noch kurzfristig den Standort wechseln müssten. Das schmale Band mit der Wolkenlücke war jetzt aber immer noch da - es galt das Prinzip Hoffnung das es noch lange halten würde! Auf dem Gelände befanden sich rund 250 Personen, die von Auge, mit Teleskopen und Fotoapparaten beobachten wollten.

Kaum hatten wir uns ein bisschen vorbereitet ging gegen 02:30 Uhr auch schon die Sonne über dem Fjord auf - es war extrem kitschig mit diesen roten Farben!

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Sonnenaufgang über dem Fjord um 02:31 Uhr. Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/100 Sekunden mit Blende 6.3. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Kurz nach Beginn der partiellen Phase 03:09:40 Uhr. Knapp neben dem Mond ist noch die Sonnenfleckengruppe zu sehen, die Polarlichter bis nach Wien verursacht hatte. Im oberen Bereich störten bereits einige Wolken. Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/20 Sekunden mit Blende 6.3. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Da eine starke Dunstschicht und auch einige Wolkenbänder störten, war der exakte Beginn der Finsternis leider nicht zu beobachten. Zudem war mit den Finsternisbrillen fast nichts zu sehen - die Intensität des Lichtes war noch schlicht zu wenig stark. Einige Minuten nach dem 1. Kontakt konnten wir dann doch endlich einige Bilder der leicht verfinsterten Sonne machen.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit 03:22:24 Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/13 Sekunden mit Blende 6.3. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Flug der Sonne entgegen. Aufnahmezeit: 03:32:05. Kurz nach der linksstehenden Aufnahme starteten auch unsere Freunde mit dem Airbus vom Flughafen Akureyri. Ihr Flugzeug konnten wir sehen und fotografieren.

Auch bemerkte ich schon zu dieser Zeit, dass die automatisch gewählte Belichtungszeit der F3, mit der ich Aufnahmen der Umgebung machte, schon deutlich länger wurden. Wir unterhielten uns noch kurz innerhalb der Gruppe über unsere bisherigen Erfahrungen. Ein Polizist, der eigentlich den Verkehr regeln sollte, war jetzt auch dabei, sich die Finsternis anzusehen. Er durfte durch die grosse, senkrecht aufgespannte Rettungsfolie von Uwe gucken. Weiterhin fuhren Fahrzeuge zu unserem Beobachungsplatz - es musste sich herumgesprochen haben, dass die von uns gewählte Umgebung die besten Sichtbarkeitschancen bieten müsste. Auch auf der alten Strasse wimmelte es nur so von Autos und Leuten. Sie klebten fast am ganzen Hang des Fjordes!

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Die letzten Minuten der partiellen Phase. Aufnahmezeit: 04:01:26 Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/2500 Sekunden mit Blende 9. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Letzte Minuten der partiellen Phase. Aufnahmezeit: 04:01:33 Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/3200 Sekunden mit Blende 9. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Die Sonne verschwand dann für einige Zeit hinter den Wolken und es wurde nicht nur deswegen merklich dunkler - bald würde die Ringförmigkeit beginnen. Würde es reichen? Würden sich die Wolken in den nächtsten Minuten wieder verziehen? Bange Fragen, die niemand zu beantworten wagte! Die Belichtungszeiten für die Umgebung ging deutlich nach oben. Wir schöpften noch Hoffnung, dass wir die Ringförmigkeit zu sehen bekämen, denn die Sonne näherte sich einem Bereich in dieser Wolke, wo diese recht dünn war. So warteten wir auf das Wiederauftauchen der Sonne... Wir verpflegten uns während dieser Zeit nervös und unterhielten uns. Und doch - fast wie ein schweizer Uhrwerk - gegen 04:00 Uhr konnte die Sonne wieder durch die Wolken durchscheinen und näherte sich einem Bereich, bei dem noch weniger Wolken waren. Wir konnten endlich aufatmen und wussten, dass wir die Ringförmigkeit wohl sehen würden.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit: 04:02:05 Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/4000 Sekunden mit Blende 9. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Die Ringförmigkeit ist da! Aufnahmezeit: 04:02:23 Uhr Aufnahme mit Nikon D100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/4000 Sekunden mit Blende 11. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Pünktlich zu Beginn der ringförmigen Phase der Finsternis war die Sonne wieder über die dichteren Bereiche der Wolken gekommen. So konnte die Ringförmigkeit also erfolgreich beobachtet werden. Während der nächsten paar Minuten konnten die nachfolgenden Bilder aufgenommen werden.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit: 04:02:50 Aufnahme mit Nikon D-100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/4000 Sekunden mit Blende 13. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit: 04:03:15 Aufnahme mit Nikon D-100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/4000 Sekunden mit Blende 13. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Fast zur Mitte der Finsternis. Aufnahmezeit: 04:03:46 Uhr Aufnahme mit Nikon D-100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/4000 Sekunden mit Blende 20. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Danach kam die Sonne in einen Bereich mit weniger Wolken und die Helligkeit der Sonne nahm nochmals stark zu. So mussten stärkere Filter montiert werden. Auch nahm ich mir kurz die Zeit das Spektakel von blossem Auge, d.h. natürlich durch die Finsternisbrille anzuschauen.

Für den 2. Teil der Ringförmigkeit war die Sonne also ein bisschen weiter aus den Wolken herausgekommen.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmedaten: 04:05:26 Uhr Aufnahme mit Nikon D-100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/40 Sekunden mit Blende 6.3. Brennweite entspricht daher 750 mm.
Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit: 04:06:14 Aufnahme mit Nikon D-100 und Sigma 170-500 bei 500 mm. Belichtungszeit: 1/15 Sekunden mit Blende 6.3. Brennweite entspricht daher 750 mm.

Kaum war der 3. Kontakt vorbei, verschwand die Sonne dann wieder hinter den Wolken und ward bis zum Sonntag nicht mehr gesehen. Auf dem Parkplatz herrschte Aufbruchstimmung obwohl der 4. Kontakt noch lange nicht gewesen war. Allerdings war es den Leuten auch nicht zu verargen, bei diesem Wetter dann auch heim ins Bett zu wollen.

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Aufnahmezeit: 04:45 Uhr Blick von unserem Standort aus Richtung Nordosten über den Fjord. Die Sonne befand sich jetzt hinter den Wolken versteckt über der Mitte des Bildausschnites. Wir hatten also riesiges Glück gehabt!

Aufnahme M. Burch, luzern.astronomie.ch
Die ganze Gruppe um 05:10 Uhr morgens. Hinten von links nach rechts: Markus Burch, davor Arnold Oberschelp, dann Matthias Temm, Rainer Wierzba, Marlis Kujus, Christiane Bergmann (Jahne), Rosemarie Oswald und Anneliese Oberschelp. Vordere Reihe von links nach rechts: Stefan Krause, Dirk Ewers, Helmut Reinwein, Julia Haring, Elisabeth Wagner, Uwe Reimann und Dieter Best.

Danach ging es mit unseren Fahrzeugen wieder zurück zum Mückensee. Also lagen noch 2 lange Autofahrt-Stunden lagen vor uns. Uwe und Elisabeth blieben gleich auf dem Parkplatz (wie einige andere auch, die dort in Zelten übernachten würden) und übernachteten in Ihrem Fahrzeug. Stefan fuhr nach Akureyri. Die Nacht und die Ereignisse fordeten bei einigen Leuten Tribut. So wurde es im Bus plötzlich sehr still. Fast alle schliefen...

Nur wir in der Frontreihe (die Fahrerin Rosemarie und ich als Navigator und Kommunikator) durften natürlich nicht. So gegen 07:30 Uhr kamen wir wieder in unserer Unterkunft an. Dort wurden wir auch von der Gastgeberin begrüsst und natürlich ausgefragt, ob wir auch tatsächlich was gesehen hätten. Sie konnten nördlich der Krafla nur einen Teil der partiellen Phase sehen - also hatte sich unser nächtlicher Ausflug mehr als gelohnt! Müde aber glücklich, legten wir uns dann noch einige Stunden ins Bett.

Markus Burch, Astronomische Gesellschaft Luzern, Schweiz
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21.12.2006 00:00 Uhr, Arnold Barmettler

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