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Sonnenfinsternis '99

Das Glück der Tüchtigen

Europa "liegt" so nah, dass es sich zu lohnen schien, mit den letzen Satellitenbildern und Wetterberichten bewaffnet, der Finsternis in einem Schönwetterloch hinterherzufahren. Oder, wie es wohl besser heissen sollte, dem Ereignis versuchen vorauszueilen.

Nun den, unsere Reise quer durch Westeuropa und zurück sollte sich gelohnt haben, auch wenn es erst einige Minuten vor dem Maximum sich zum guten wendete.
Die Stunden vor der Finsternis zu beschreiben oder die Stimmung im Auto bei der letzten Fahrt an unseren entgütigen Beobachtungsplatz erübigt sich - es war eh nicht so toll, na ja.

Das es dann doch geklappt hat, ist nicht zuletzt der Intuition unseres Reiseorganisators Roland Brodbeck zu verdanken, denn die Wolkenlücke, die alles ermöglichte, konnte pünktlicher kaum mehr an unserem Beobachtungplatz sein. Doch alles der Reihe nach:

Während die einen noch verdrossen im Auto sitzenblieben (wohl als stiller Sitzstreik gegen "wissen-wir-nicht" zu verstehen), vergnügten sich etwa die Hälfte unserer Gruppe mit einem improvisierten Volleyballspiel. Von der sich allmählich abdeckenden Sonne sah man eh nichts. Bis kurz vor dem Maximum änderte sich daran auch nichts, bis sich anstelle der drohenden dunklen Wolken aus nördlicher Richtung endlich eine nicht bloss klitzekleine Wolkenlücke näherte. Zuerst befürchteten wir noch, die Lücke komme zu schnell, aber je näher das Maximum kam, je weniger schnell bewegten sich die Wolken, bis sie schliesslich fast am Ort zu kreisen schienen.

Dies war auch höchste Zeit, denn während der zweite Kontakt nur noch um Sekunden bevorstand und sich aus Westen anstelle des direkt sichtaren Mondschattens ein scheinbar fürchterliches Gewitter heranraste, verzog sich auch die letzte Wolke gerade noch im letzten Moment.

Dieses Bild gibt in etwa meinen visuellen Eindruck wieder. Auf der unteren Seite erkennt man knapp die auch von Auge sichtbaren Protuberanzen. Die Wolken geben den Bildern einen zusätzlichen Reiz. Diese Wolke hier lässt die verfinsterte Sonne wie ein drohendes Auge aussehen. Alle Aufnahmen sind mit KB-Diafilm und einem 85mm Objektiv gemacht. Gegen Ende der totalen Phase wurde der Himmel immer besser. Trotz z.T. langer Belichtungsszeit konnte kein Planet oder Stern im relativ hellen Himmel ausgemacht werden. Auf dieser Foto erkennt man schön den von Auge gut sichtbaren kupferfarbenen Halo um die verdunkelte Sonne.

Nachdem die ersten Sonnenstrahlen die Welt wieder erreichten, rannte eine Herde Kühe quer über ihre Weide und Freudenschreie erfüllten die sich endlich erwärmende Luft.

Das dann doch eine Zeit lang recht gute Wetter ermöglichte anschiessend doch noch einige Beobachtungen mit einem Hydrogen alpha Filter, wobei zu bemerken ist, dass in den ersten Minuten nach dem Maximum die Luft recht ruhig war uns so kontrastreiche Bilder der schönen Protuberanzen ermöglichte.



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21.12.2006 00:00 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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